Weihbischof und Dechanten im Gespräch mit der CDU

Austausch über Corona-Pandemie und Urteil zur Sterbehilfe - Weihbischof Zekorn und Dechanten mit Vertretern der CDU im Gespräch - Kreis Warendorf (pbm/acl). Die Corona-Pandemie und ihre Folgen standen im Mittelpunkt beim traditionellen Austausch zwischen Vertretern des Warendorfer CDU-Kreisverbandes um den Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker sowie Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und den Dechanten im Kreis Warendorf. In der Landvolkshochschule in Freckenhorst diskutierten die Teilnehmenden außerdem über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe.
„Die Pandemie ist eine historische Marke und Zäsur in unserer Gesellschaft“, betonte Weihbischof Zekorn. Wie mit einer Lupe lege sie die Missstände in der Gesellschaft offen. So sei beispielsweise die deutlich gewordene Einsamkeit der Menschen in Pflegeeinrichtungen während des Lockdowns ein Hinweis auf die verbreitete Einsamkeit älterer Menschen insgesamt. „Ich sehe es als gesellschaftliche Aufgabe, dieser Entwicklung entgegenzuwirken“, sagte er. Im kirchlichen Bereich sei deutlich geworden, dass Menschen bewusst auf der Suche nach Glaube und Kirche seien: „Gleichzeitig sind uns aber auch Grenzen aufgezeigt worden, die wir haben, um Menschen zu erreichen.“
Dechant Karl Kemper rief zu einem ethischen Diskurs im Alltag auf. „Es ist Aufgabe von Politik, Gesellschaft und Kirche, über ethische Fragen zu diskutieren, ohne den Andersdenkenden abzuwerten.“ Durch seine seelsorglichen Kontakte in Altenheimen denke er dabei beispielsweise an diejenigen, die die Gesundheit an oberste Stelle setzen, und diejenigen, denen soziale Kontakte wichtiger seien.
Sendker lenkte den Blick unter anderem auf den medizinischen Bereich und appellierte, sich mit Blick auf den Herbst nicht nur an den täglichen Infektionszahlen zu orientieren, sondern stattdessen Voraussetzungen für den Fall einer erneuten Zuspitzung der Lage zu schaffen. Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation habe sich der Staat verschuldet und musste sich von der schwarzen Null verabschieden, um die notwendigen Hilfsgelder bereitzustellen. Der Bundestagsabgeordnete zeigte sich aber überzeugt davon, dass dies die richtige Entscheidung war. „Wir müssen jetzt regional denken: Für den Kreis Warendorf gilt es nun, den Mittelstand zu stützen, der hier sehr stark ist.“
Einig waren sich beide Seiten, dass das gesellschaftliche und kirchliche Leben unter den veränderten Bedingungen wieder aufgenommen werden müsse. „Die Vereinslandschaft in Nordrhein-Westfalen hat sich schon jetzt vollkommen verändert“, gab Landtagsabgeordneter Daniel Hagemeier zu bedenken. Ausbleibende Zusammenkünfte und Feiern würden auf Dauer auch die wichtige Säule des Ehrenamts angreifen.
Heftig kritisierten Vertreter der CDU und der katholischen Kirche im Kreis Warendorf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe. Danach, so stellten die Karlsruher Richter Ende Februar fest, habe jeder das Recht, selbstbestimmt zu sterben – auch mit Hilfe Dritter. Das gelte nicht nur für Kranke. „Statt unterschiedliche Rechtsgüter abzuwägen, wird mit dieser Entscheidung das Selbstbestimmungsrecht verabsolutiert“, erklärte Zekorn. Das bedeute eine Abkehr von der bisherigen Rechtslage. Die deutschen Bischöfe befürchten, dass die Suizidbeihilfe insbesondere durch die bereits in Deutschland agierenden Vereine nunmehr stark zunehmen werde. Dechant Andreas Rösner unterstrich diese Befürchtung aufgrund seiner Erfahrungen als Krankenhausseelsorger. Immer wieder habe er erlebt, dass sich Menschen, die krank sind und anderen dadurch zur Last fallen, nicht mehr wertvoll fühlen. „Den Menschen das Gegenteil zu vermitteln, das ist auch Aufgabe der Kirche“, erklärte Rösner.
Dass die CDU mit der neuen Rechtsgrundlage ganz und gar nicht einverstanden ist, machte Sendker deutlich. „Damit werden wir als Gesetzgeber degradiert zu einer Regelungsbehörde.“ Das Urteil führe eine sich verändernde Gesellschaft vor Augen, in der „Krankheit und Schwäche vom Leben ausgeschlossen werden“. Es gelte nun Wege zu finden, damit die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung nicht zu einer Normalisierung des Suizids führe. Der Bundestagsabgeordnete kündigte an, noch einmal den Versuch zu unternehmen, darüber ins Gespräch zu kommen, bevor das Thema Suizidhilfe gesetzlich geregelt werde.
Kreisdechant Peter Lenfers sprach abschließend den Ausbau der Bundesstraße B64 mit Ortsumfahrungen um Warendorf, Beelen und Herzebrock-Clarholz an. „Das Thema bewegt nach wie vor viele Menschen“, erklärte er. Sendker, der sich seit vielen Jahren für den Ausbau stark macht, stellte klar: „Beim Ausbau der B64 geht es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie.“ Es gebe keine andere Möglichkeit, den zunehmenden Verkehr im Kreis Warendorf zu verlagern.
Bildunterschrift: (v.l.) Kreisdechant Peter Lenfers, Bundestagsabgeordneter Reinhold Sendker, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, stellvertretende Kreisvorsitzende Astrid Birkhahn und Landtagsabgeordneter Daniel Hagemeier tauschten sich zusammen mit den Dechanten und weiteren Vertretern des Warendorfer CDU-Kreisverbandes über die Folgen der Corona-Pandemie aus.
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann

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